Schule
99 Prozent der 12- bis 19-Jährigen in der Schweiz verfügen über ein eigenes Smartphone. Wofür nutzen sie es? Das zeigt die JAMES-Studie der ZHAW und Swisscom. (Bild: iStock.com/Wavebreakmedia)
10. Januar 2019

JAMES-Studie: Wie nutzen Jugendliche die Medien?

Die JAMES-Studie der ZHAW und Swisscom zeigt, dass über die Hälfte der Schweizer Jugendlichen praktisch unbegrenzt Zugriff auf Filme, Musik und Games hat – ein Befund, der sich auf die Medienkompetenz auswirken dürfte.

An der Bildungsmesse Swissdidac und Worlddidac Bern wurde die fünfte JAMES-Studie der ZHAW und Swisscom präsentiert. JAMES steht für «Jugend, Aktivitäten, Medien – Erhebung Schweiz» und wird alle zwei Jahre durchgeführt. In der repräsentativen Studie werden seit 2010 von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) im Auftrag von Swisscom über 1000 Jugendliche im Alter von 12 bis 19 in den drei grossen Sprachregionen der Schweiz zu ihrem Medienund Freizeitverhalten befragt.

Flatrate-Streaming immer beliebter
Ein Drittel der Jugendlichen in der Schweiz verfügt über ein eigenes Video- und Musik-Streaming-Abo von Netflix, Spotify & Co. (Video: 33 Prozent; Musik: 35 Prozent). Damit haben sich diese beiden Abotypen in den letzten beiden Jahren mehr als verdoppelt. Sogar über die Hälfte der Haushalte ist mit solchen Streaming-Abos ausgestattet (Video: 56 Prozent; Musik: 51 Prozent). Auch Game-Flatrate-Abos, die das unbegrenzte Spielen von Games ermöglichen, sind in rund einem Viertel der Haushalte vorhanden. «War es in früheren Jahren vor allem die Verbreitung des Smartphones, die die Nutzungsgewohnheiten der Jugendlichen stark veränderte, spielen jetzt Musik- und Video-Streaming-Dienste eine grosse Rolle», sagte ZHAW-Forscher und Studienleiter Daniel Süss, der die JAMES-Studie mit Co-Projektleiter Gregor Waller und seinem Team durchgeführt hat.

Streaming beeinflusst Inhalte
Flatrate-Streaming ermöglicht den Schweizer Jugendlichen nicht nur den Zugang zu einem riesigen Angebot an Filmen, Musik oder Games, sondern beeinflusst auch ihre Vorlieben. Die beliebteste Serie ist beispielsweise «Haus des Geldes», die über Netflix verbreitet wird. Von den zehn beliebtesten Serien stammen insgesamt sieben von diesem Serienportal. «Neben dem schier unendlichen Angebot werden aufgrund der Nutzung zusätzliche Titel algorithmisch vorgeschlagen. Wie sich dieses Unterhaltungs-Schlaraffenland auf das Verhalten auswirkt, wird sich erst noch zeigen», sagt Gregor Waller. «Damit findet die Individualisierung der Gesellschaft ihr Abbild auch im Medienumgang, bei dem man sich sein ‚Medienmenü‘ ganz nach Belieben zusammenstellen kann. Medienkompetenz heisst in Zukunft je länger je mehr auch, sich das optimale Medienmenü aus den Millionen von Möglichkeiten zusammenstellen zu können», sagte Waller.

Messenger-Apps statt SMS
99 Prozent der 12- bis 19-Jährigen haben ein eigenes Mobiltelefon. Sie nutzen es täglich rund 2 Stunden und 30 Minuten – in erster Linie zum Kommunizieren: 95 Prozent täglich oder mehrmals wöchentlich via Messenger-App. Es verwundert deshalb nicht, dass die beliebteste Smartphone-App Instagram ist, gefolgt von WhatsApp und Snapchat. Daneben wird das Handy von den Jugendlichen vor allem auch zu Unterhaltungszwecken eingesetzt, um Musik zu hören (89 Prozent), im Internet zu surfen (89 Prozent), soziale Netzwerke zu besuchen (88 Prozent) oder Videos zu schauen (82 Prozent). Zum Vergleich: Das regelmässige Telefonieren hat sich bei 70 Prozent eingependelt, die Nutzung von SMS ist auf 49 Prozent gesunken (2012: 93 Prozent).

Snaps und Stories dominieren
94 Prozent der Schweizer Jugendlichen sind bei mindestens einem sozialen Netzwerk angemeldet. Allerdings wird bis zu ein Fünftel der Accounts nicht aktiv genutzt. Fast alle Befragten verfügen über einen Account bei Instagram (87 Prozent) oder Snapchat (86 Prozent). Eine Mehrheit nutzt diese mehrmals pro Tag. Facebook hat hingegen mit 52 Prozent einige Plätze eingebüsst. Dieser Trend zeigt sich auch bei der Nutzung: Während sich 2014 fast vier Fünftel der Jugendlichen mindestens mehrmals pro Woche auf Facebook aufhielten, tut dies aktuell nur noch rund ein Fünftel. Aber je älter sie sind, desto eher nutzen sie Facebook regelmässig.

Onlinezeit konstant geblieben
Insgesamt ist die Internetnutzungszeit unter der Woche seit 2016 bei 2 Stunden 30 Minuten konstant geblieben. Online nutzen Jugendliche zur Unterhaltung vor allem soziale Netzwerke und Videoportale wie YouTube regelmässig. Es werden vermehrt Videos im Internet geschaut (85 Prozent mind. mehrmals pro Woche) statt ferngesehen (69 Prozent). Um sich im Internet zu informieren, werden primär Suchmaschinen wie Google eingesetzt. Hingegen lesen immer weniger Jugendliche regelmässig Zeitungen, ob online (2010: 26 Prozent; 2018: 18 Prozent) oder auf Papier per Gratis- (2010: 49 Prozent; 2018: 21 Prozent) sowie Abozeitung (2010: 32 Prozent; 2018: 11 Prozent).

Pressedienst
Soziale Netzwerke nutzen, Musik hören und Videos online schauen gehören gemäss der aktuellen JAMES-Studie der ZHAW und Swisscom zu den häufigsten medialen Freizeitbeschäftigungen von Schweizer Jugendlichen. (Quelle: JAMES-Studie 2018)
Gesellschaftsspiele und Malen/Basteln spielen in der Freizeit von Jugendlichen hierzulande nur eine kleine Rolle. Geht es um Aktivitäten ohne Medien sind Freunde treffen, Sport treiben oder Entspannen deutlich beliebter. (Quelle: JAMES-Studie 2018)
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